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Aus meiner Wohnung wurde eine Veranstaltungsfläche – und ich hatte kein Wort mitzureden

Es war ein Dienstagabend im August, als mein Nachbar mir das Video zeigte. Auf seinem Handy bewegten sich Leute in meiner Wohnung. Fünfzig, schätzte er. Vielleicht sechzig. Die Möbel waren an die Wand geschoben, auf dem Couchtisch standen Flaschen. Ich identifizierte mein Wohnzimmermöbel. Meine Pflanzen. Mein Regal. Nur dass jemand mit einem grellen Scheinwerferlicht die Decke anstrahlte. Ich blieb sitzen, starrte auf das Display und spürte, wie mir kalt wurde. Meine Wohnung war zur Event-Location geworden – und ich hatte keine Ahnung gehabt.

Der Gast, der sich als Party-Organisator entpuppte

Die Buchung für jenes Wochenende war harmlos erschienen. Ein junger Mann, Airbnb Full-Service anfragen Anfang dreißig, „Dienstreise”, hatte er angegeben. Drei Nächte. Ohne Tier, keine Kinder. Die Nachrichten vorab waren freundlich, beinahe brav. „Kann ich später anreisen? Danke für die Schlüsselbox.” Ich hatte nie misstraut.

Dass Mietobjekte für Feiern verwendet werden, ist kein Geheimnis. Aber ich hatte geglaubt, es würde nur bei bekannten Anbietern passieren. Nicht meine kleine Altbauwohnung in einer ruhigen Seitenstraße. Nicht mich.

Die Wahrheit traf mich unvorbereitet: In der Hochsaison, wenn die Nachfrage rasant steigt und jede Buchung ein Gefühl der Erleichterung bringt, lassen Vermieter ihre Wachsamkeit nachlassen. Ich war keine Ausnahme.

Die stille Invasion der Eventsaison

Die Sommermonate sind für viele Vermieter die Hochphase. Die Tage sind lang, die Gäste zahlreich, die Buchungskalender voll. Und genau das macht uns blind. Denn mit der Saison kommt eine zweite, Welle: Gäste, die nicht reisen möchten, sondern eine Bühne suchen.

Ich sprach mit anderen Vermietern aus meinem Bekanntenkreis. Eine Kollegin erzählte mir, wie sie nach einem „Familienwochenende” ihre Wohnung betrat und den Geruch von kaltem Rauch und verschüttetem Bier tagelang nicht entfernen konnte. Ein anderer fand Einladungskarten für eine private Modenschau, die in seiner Ferienwohnung stattgefunden hatte – mit dreißig Gästen und einem improvisierten Laufsteg aus seinen Esstischplatten.

Das Problem ist nicht die einzelne Party. Das Problem ist die Systematik. In der Eventsaison – von Mai bis Oktober, wenn Hochzeiten, Geburtstage, Firmenfeiern und Musikfestivals stattfinden – werden Wohnungen zu Locations umfunktioniert. Und wir Vermieter stehen oft hilflos dabei.

Was wirklich passiert, wenn die Gäste kommen

Ich will nicht übertreiben. Nicht jede Buchung in der Saison ist eine getarnte Party-Anfrage. Aber diejenigen, die es sind, hinterlassen Narben.

Die erste Narbe: Vertrauensverlust. Seit jenem Abend prüfe ich jede Anmeldung doppelt. Ich googele Namen. Ich frage nach dem Reisegrund – und wenn die Antwort zu vage klingt, lehne ich ab. Das ist anstrengend. Es kostet Zeit. Und es fühlt sich falsch an, jeden Gast unter Generalverdacht zu stellen.

Die zweite Narbe: Sachschaden. Nach dem Event in meiner Wohnung war eine Leuchte verschwunden. Der Teppich hatte Brandlöcher – wahrscheinlich durch eine umgekippte Kerze. Die Couch roch nach Schweiß und Parfüm. Die Reinigung kostete mich viel Geld. Die Kaution? Die hatte ich damals auf 200 Euro angesetzt. Ein Witz, oder besser gesagt eine Frechheit.

Die dritte Narbe: Die Nachbarschaft. Mein Nachbar von unten, der das Video gedreht hatte, spricht seitdem kaum noch mit mir. Er fühlt sich belästigt. Ich fühle mich ertappt. Die Beziehung ist zerrissen – und ich kann es ihm nicht einmal vorwerfen.

Warum die Plattformen uns hängen lassen

Ich habe mich bei der Buchungsplattform beschwert. Das normale Verfahren: Formular ausfüllen, Fotos hochladen, warten. Nach drei Wochen kam die Antwort: „Wir haben den Gast ermahnt.” Verwarn. Nicht gesperrt. Nicht ausgeschlossen. Verwarn. Und ich dachte: Was bringt mir das? Die Party war längst vorbei. Meine Wohnung war wieder bewohnbar. Aber das Gefühl der Ohnmacht blieb.

Die Plattformen verdienen an jeder Buchung. In der Saison sind sie überlastet, die Prüfmechanismen laufen auf Sparflamme. Ein Gast, der „Geschäftsreise” angibt und dann eine Hochzeit feiert? Das fällt erst auf, wenn die Nachbarn sich beschweren. Und selbst dann passiert oft wenig.

Was ich heute anders mache

Ich habe meine Regeln geändert. Nicht aus Paranoia, sondern aus Erfahrung.

  • Ich buche keine Gäste mehr, die weniger als zwei Nächte bleiben, es sei denn, ich kenne sie persönlich.
  • Ich frage bei jeder Buchung in der Hauptsaison ausdrücklich nach dem Grund der Reise.
  • Wer vage bleibt, fliegt raus.
  • Ich habe eine Nachbarschaftsvereinbarung getroffen: Wer Lärm oder ungewöhnlichen Besucherverkehr bemerkt, ruft mich an. Nicht die Polizei. Mich.
  • Ich habe eine Klausel in meine Mietbedingungen aufgenommen, die Events und Feiern klar ausschließt – mit einer Vertragsstrafe, die hoch genug ist, um abzuschrecken.

Und trotzdem: Die Unsicherheit bleibt. Denn wer wirklich eine Party feiern will, findet Wege. Die Anmeldung erfolgt unter falschem Namen. Die Kommunikation läuft über eine zweite Nummer. Die Gäste kommen einzeln, um keinen Verdacht zu erregen.

Ein mulmiges Gefühl, das bestehen bleibt

Ich vermiete immer noch. Die Wohnung steht nicht leer, das will ich nicht. Aber die Leichtigkeit ist weg. Früher habe ich mich gefreut, wenn eine Buchung hereinkam. Heute zögere ich. Ich wäge ab. Ich frage mich: Ist das der Gast, der meine Wohnung pfleglich behandelt? Oder derjenige, der sie zur Event-Kulisse umbaut?

Es ist die Eventsaison, die mich das gelehrt hat. Die Zeit zwischen Mai und Oktober, in der die Luft nach Sommer riecht und die Buchungen im Minutentakt eingehen. Genau dann müssen wir am wachsamsten sein. Denn die schönste Zeit des Jahres ist für Vermieter auch die gefährlichste.

FAQ

Ist es erlaubt, in meiner Ferienwohnung eine Feier zu veranstalten?

Das hängt von deinem Mietvertrag und den Hausregeln ab. In den meisten Kurzzeitmietverträgen sind Feiern oder Events ohne vorherige Zustimmung des Vermieters nicht gestattet. Überprüf deine Reservierungsbestätigung und frag im Zweifel vorher nach.

Welche Anzeichen deuten auf eine geplante Feier hin?

Achte auf vage Angaben zum Reisezweck, Buchungen für eine Person auf eine große Wohnung oder Nachfragen nach der maximalen Personenzahl. Auch die Kommunikation über Drittanbieter oder das Fehlen konkreter Fragen zur Wohnung können Hinweise sein.

Wie reagiere ich bei Verdacht auf eine Feier in meiner Wohnung?

Sprich den Gast direkt an. Bitte um Fotos oder ein kurzes Video des aktuellen Zustands. Bei begründetem Verdacht kannst du die Buchungsplattform informieren oder – im Extremfall – die Polizei rufen, besonders bei Ruhestörung.

Muss die Buchungsplattform für Event-Schäden aufkommen?

In der Regel nicht direkt. Die Plattform vermittelt nur die Buchung. Du als Vermieter bist für die Durchsetzung deiner Hausregeln verantwortlich. Die Kaution und eine private Haftpflichtversicherung können zumindest einen Teil der Kosten abdecken.

Ist eine Preiserhöhung in der Hauptsaison sinnvoll, um Partygäste fernzuhalten?

Ein höherer Preis kann tatsächlich abschreckend wirken, da Eventgäste oft günstige Unterkünfte für eine Nacht suchen. Aber es ist keine Garantie. Besser ist ein klares Regelwerk und eine offene Kommunikation vor der Buchung.

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