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Warum schneidet jede Schere anders?

Nach dem Stabilisieren kann der Saum mit einer schmalen Zickzacknaht oder einem kurzen Geradstich gesichert werden. Das ist optional, erhöht aber die Haltbarkeit. Bei stark ausgefransten Stellen reicht ein einzelner Vliesstoff oft nicht aus. Dann wird der Vliesstoff in zwei Lagen versetzt aufgebracht. Ist der Saum zusätzlich ausgerissen, kann ein Stück passender Stoff von innen untergelegt werden. Dieser Flicken wird ebenfalls mit Vliesstoff fixiert.

Ein zweiter typischer Fehler ist das Annähen der Biese an einer Stelle, an der sie sich später dehnt. Wer die Naht zu dicht an die Bruchkante setzt, erzeugt eine harte Kante, die beim Tragen bricht. Wer sie zu weit entfernt setzt, bekommt eine flache, kraftlose Falte. Der Mittelweg liegt meist bei einem Abstand, der etwa der halben Biesenbreite entspricht. Vor dem endgültigen Nähen lohnt sich ein Probestück aus demselben Stoff, weil Webart und Stärke den richtigen Abstand verschieben.

Wer eine Naht über unterschiedlich dicke Stofflagen näht, kennt das Problem: Der Transporteur greift die untere Lage anders als die obere, und plötzlich werden die Stiche auf der einen Seite lang, auf der anderen kurz. Besonders deutlich wird das, wenn eine dünne Lage auf eine dicke trifft, etwa bei einem Saum mit Einlage oder bei einer Tasche mit verstärktem Boden. Die Stichlänge ist dann nicht mehr das, was an der Maschine eingestellt wurde. Das liegt daran, dass der Stoff nicht gleichmäßig unter den Nähfuß gezogen wird. Die dicke Lage bremst, die dünne rutscht. Wer das ignoriert, produziert eine Naht, die wellig wird oder reißt.

Wer diese Punkte beachtet, bekommt auch bei unterschiedlichen Stofflagen eine gleichmäßige Naht. Entscheidend sind der richtige Nähfußdruck, die passende Nadel und eine Stichlänge, die nicht zu kurz ist. Wer immer wieder mit variierender Stichlänge kämpft, sollte außerdem die Spulenkapsel und den Fadenspanner prüfen. Manchmal liegt es nicht am Transport, sondern an einer falsch eingestellten Fadenspannung. Ein letzter Rat: Nicht zu schnell nähen. Langsames Arbeiten gibt dem Transporteur Zeit, beide Lagen gleichmäßig zu erfassen.

Ein ausgefranster Saum an einer Hose, einem Rock oder einem Ärmel entsteht meist durch Reibung an Schuhen, durch häufiges Tragen oder durch einen zu knappen Zuschnitt. Viele greifen dann zur Schere und kürzen den Stoff. Das ist selten eine gute Idee: Der Saum wird kürzer, die ursprüngliche Länge geht verloren, und die Naht verliert ihre Form. Besser ist es, die ausgefransten Stellen mit einem dünnen, aufbügelbaren Vliesstoff zu stabilisieren. Das erhält die Länge, stoppt das weitere Ausfransen und kaschiert die Schadstelle.

Bügeln ist kein Nachbereitungsschritt, sondern Teil des Nähens. Nach jedem Nähgang wird gebügelt, bevor weitergearbeitet wird. Die Nahtzugabe wird dabei über einem Bügelbrett oder einer Nahtrolle flach ausgestrichen. Ohne diese Zwischenbügelung bleibt Materialvolumen in der Kante, das auch der sauberste Steppstich nicht mehr entfernt. Besonders bei Baumwollwebstoffen und Leinen ist dieser Schritt entscheidend, weil sich die Fasern nur im warmen, leicht feuchten Zustand dauerhaft legen lassen.

Der eigentliche Bewegungsablauf Die Nadel wird von innen nach außen durch die eine Kante geführt, dann direkt gegenüber von außen nach innen durch die andere Kante. So entsteht auf der Außenseite nur ein winziger Punkt. Die Stiche sollten eng und gleichmäßig gesetzt werden, etwa drei bis vier Millimeter Abstand. Nach einigen Stichen zieht man den Faden vorsichtig an, aber nicht ruckartig. Zu starkes Ziehen erzeugt Löcher im Gewebe, zu schwaches Ziehen lässt die Öffnung sichtbar klaffen. Ein häufiger Fehler ist, den Faden nach jedem einzelnen Stich zu straffen – dadurch verschiebt sich die Kante und die Naht wird unregelmäßig.

Welcher Vliesstoff und welche Vorbereitung sind entscheidend? Für feine bis mittlere Webstoffe eignet sich ein leichter, elastischer Vliesstoff mit Klebepunktbeschichtung. Bei dehnbaren Stoffen wie Jersey oder Strick muss der Vliesstoff ebenfalls dehnbar sein, sonst wirft sich der Saum. Vor dem Aufbügeln wird der Saum vorsichtig ausgebürstet, lose Fäden werden mit einer Nadel in den Stoff zurückgezogen, nicht abgeschnitten. Die Stoffrückseite muss sauber und trocken sein. Ein Stück des Vliesstoffs wird auf die ausgefranste Stelle zugeschnitten, etwa einen Zentimeter größer als der Schaden in jede Richtung.

Nach dem letzten Stich wird der Faden nicht einfach abgeschnitten. Man führt die Nadel noch einmal durch die Nahtzugabe nach innen, zieht den Faden leicht an und vernäht ihn mit zwei kleinen Rückstichen im Inneren des Stoffes. Erst dann wird der Faden bündig abgeschnitten. So verschwindet auch der letzte Rest Faden unsichtbar. Ein Knoten auf der Außenseite ist ein sicheres Zeichen dafür, dass die Technik nicht korrekt ausgeführt wurde.

Der Rollschneider ist für lange, gerade Strecken gedacht: Bahnen zuschneiden, Streifen für Patchwork, Quadrate für Quilts. Für Kurven, Ecken oder kleine Ausschnitte ist er ungeeignet. Hier kommt die Papierschere ins Spiel — aber nur, wenn sie wirklich nur für Papier verwendet wird. Eine Papierschere hat kurze, gerade Klingen mit spitzem Winkel. Sie schneidet dünne Pappe, Geschenkpapier und Vorlagen. Für Stoff ist sie zu stumpf und zu grob.

  • ID: 400920

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