For

4 Wege, wie ihr alten Wein über Ableger verjüngt

Wichtig ist der Zeitpunkt: Der Ableger wird im Frühjahr gelegt, sobald der Boden frostfrei ist. Hält man die Stelle gleichmäßig feucht, bildet die Rute im Laufe des Sommers eigene Wurzeln. Ein häufiger Fehler ist, die Rute zu tief zu vergraben oder sie mit nassem, verdichtetem Lehm zu bedecken. Beides behindert die Bewurzelung. Lockere, humose Erde und gelegentliches Gießen bei Trockenheit reichen aus.

Wer unsicher ist, schneidet zunächst nur die offensichtlich toten und beschädigten Teile. Ein Test mit dem Fingernagel zeigt, ob ein Trieb noch lebt: Grünes, feuchtes Gewebe unter der Rinde bedeutet Leben, braunes und trockenes Gewebe bedeutet abgestorben. Nach diesem ersten Durchgang wartet man ein bis zwei Wochen und beobachtet den Austrieb. Erst dann entscheidet man über weitere Korrekturen. Dieser zurückhaltende Ansatz ist fast immer erfolgreicher als ein radikaler Schnitt zum falschen Zeitpunkt.

Ein typischer Anfängerfehler ist der Schnitt in die falsche Knospe. Wer den Stamm knapp über einer nach innen zeigenden Knospe kappt, zieht die Krone ins Bauminnere, wo Licht fehlt und Fruchtqualität sinkt. Die letzte Knospe muss nach außen zeigen. Ebenso falsch ist ein radikaler Rückschnitt im Sommer, der den Baum zu Notaustrieben zwingt. Besser ist der Schnitt im späten Winter oder zeitigen Frühjahr, wenn der Saftdruck gering und die Kronenstruktur klar erkennbar ist.

Ein Apfelbaum, der jahrelang nicht geschnitten wurde, verholzt im Inneren, die Krone wird immer dichter und die Früchte wandern nach außen. Wer auslichtet, nimmt der Krone nicht einfach Holz weg, sondern schafft Licht und Luft im Zentrum. Genau dort entstehen später die besten Blütenknospen. Der Unterschied zwischen einem Ertragsschnitt und reinem Zufallsschnitt liegt in der Reihenfolge: Wer wahllos Äste absägt, öffnet Wunden, die nicht heilen, und verschiebt das Wachstum nur nach oben.

Beim Sägen gilt: erst von unten ansetzen, dann von oben nachsägen, damit die Rinde nicht ausreißt. Große Wunden über drei Zentimeter Durchmesser bleiben ohne Wundverschluss, sie heilen an der Luft am besten. Geschnitten wird am besten im späten Winter, zwischen Januar und März, wenn keine starken Fröste mehr kommen. Ein Sommerschnitt im Juni bremst das Wachstum und eignet sich für Bäume, die zu stark ins Holz gehen.

Wer regelmäßig schneidet, sollte die Klinge nach jedem Baum reinigen. Harz, Saft und Holzreste auf der Schneide führen zu Rissen im Schnittbild und übertragen Krankheiten. Ein Tuch mit etwas Alkohol genügt. Nach dem Schärfen die Schneide entgraten, sonst reißt sie beim nächsten Schnitt. Ein sauberer, leicht ziehender Schnitt mit einer dünnen, scharfen Klinge ist die beste Vorbeugung gegen ausgefranste Rinde und langanhaltenden Saftfluss.

Für einen sauberen Schnitt braucht man eine scharfe, dünne Klinge mit glatter Schneide. Eine Säge mit grober Zahnung reißt die Rinde auf, hinterlässt ausgefranste Kanten und öffnet damit zusätzliche Leitungsbahnen. Eine scharfe Schere oder ein scharfes Messer mit ziehendem Schnitt trennt die Fasern, statt sie zu quetschen. Quetschungen sind das eigentliche Problem: Sie zerstören das Kambium, die Wachstumsschicht direkt unter der Rinde, und aus diesen Verletzungen blutet es länger.

So legt ihr den Ableger richtig an Wählt eine kräftige, gut ausgereifte Rute des alten Stocks, die nah am Boden entspringt. Biegt sie vorsichtig zum Boden nieder, ohne sie zu knicken. Hebt an der Stelle, wo die Rute den Boden berührt, eine flache Mulde aus und legt die Rute hinein. Die Stelle sollte vorher mit einer scharfen Schere leicht angeritzt werden, damit sich schneller Wurzeln bilden. Deckt die Rute mit Erde zu, sodass nur die Triebspitze herausschaut. Fixiert sie mit einem Haken, damit sie nicht zurückspringt.

Gerüststämme sind keine dicken Äste, sondern die tragenden Achsen der Krone. Man erkennt sie an ihrem flachen Abgangswinkel zum Stamm, an kräftigem Querschnitt und daran, dass sie in einem gleichmäßigen Abstand zueinander sitzen. Ausgereifte Kronen haben drei bis fünf solcher Achsen. Alles, was zu steil nach oben schießt, ist kein Gerüsttrieb, sondern Konkurrenz und wird entfernt. Wer diese Unterscheidung nicht trifft, schneidet die tragenden Achsen ab und lässt die Konkurrenz stehen — der Baum antwortet mit wildem Wachstum.

Was bleibt, sind flach bis leicht aufrecht wachsende, kräftige Leitäste, die gleichmäßig um den Stamm verteilt sind. Gute Fruchtäste zeigen nach außen und unten, haben eine gesunde Spitze und sind nicht älter als drei bis vier Jahre. Lassen sich zwei gleich starke Äste nicht voneinander trennen, wird der schwächere entfernt, nicht der längere. Ein häufiger Fehler ist das Einkürzen aller Triebe auf dieselbe Länge: Das regt den Baum zu starkem Neutrieb an, der das Fruchtholz überwuchert.

Der Leittrieb ist die höchste, gerade fortgeführte Triebspitze. Er gibt die Wuchsrichtung vor und versorgt den Baum mit Streckungswachstum. Wird er gekappt, verliert der Baum seinen Führungsanspruch, und die darunter liegenden Konkurrenztriebe übernehmen. Wer den Leittrieb zu früh einkürzt, bekommt breite, flach gewachsene Kronen, die schwer zu pflegen sind. Der häufigste Fehler ist das Kappen ohne Not, meist aus Ungeduld, weil der Baum „zu hoch” erscheint. Besser ist: den Leittrieb frei wachsen lassen, bis die gewünschte Stammhöhe erreicht ist.

  • ID: 443343

Reviews

There are no reviews yet.

Be the first to review “4 Wege, wie ihr alten Wein über Ableger verjüngt”

Your email address will not be published. Required fields are marked *