Typische Fehler: Viele greifen zur Schere, sobald die ersten Tropfen zu sehen sind, und schneiden nach. Das öffnet nur neue Wunden und verstärkt das Problem. Andere düngen jetzt stark, was den Wurzeldruck weiter erhöht. Auch das Gießen in dieser Phase ist kontraproduktiv. Wer das Bluten für eine Krankheit hält und zu Pflanzenschutzmitteln greift, schadet der Rebe. Das Bluten ist ein natürlicher Vorgang, der von selbst aufhört, sobald die Blätter genug Wasser verdunsten. In der Regel dauert es ein bis zwei Wochen.
Das Bluten ist meist harmlos. Es zeigt, dass die Rebe lebt und aktiv ist. Kritisch wird es nur, wenn der Saft über einen sehr langen Zeitraum austritt, weil dann Nährstoffe verloren gehen. Ein kurzes Bluten von einigen Tagen ist unproblematisch. In kühlen, feuchten Böden kann es stärker ausfallen, in trockenen, warmen Böden schwächer. Wichtig ist, den Zeitpunkt des Schnitts zu beachten: Wer spät schneidet, direkt vor dem Austrieb, provoziert stärkeres Bluten.
Bei öfter blühenden Sorten folgt auf den Schnitt meist eine zweite Blüte. Bei einmal blühenden Sorten, etwa vielen Strauchrosen, ist das Ausputzen nur kosmetisch. Wer dort bis ins alte Holz schneidet, nimmt der Pflanze die Anlage für das nächste Jahr. Hier reicht es, den verblühten Blütenstand bis zum nächsten kräftigen Blatt zu kürzen, ohne den Trieb zu verkürzen.
Am Ende geht es nicht um Vorsicht um der Vorsicht willen, sondern um Kontrolle. Wer mit gestrecktem Arm schneidet, hat keine Kontrolle über den Schnitt und keine Kontrolle über den eigenen Stand. Beides hängt zusammen. Die Leiter verzeiht keine Nachlässigkeit, und sie warnt nicht vorher. Deshalb gilt: Leiter umstellen, bevor der Arm gestreckt wird. Wer das einmal verinnerlicht hat, arbeitet nicht nur sicherer, sondern auch schneller, weil er nicht nach jedem unsicheren Schnitt neu ansetzen muss.
Warum Liguster anders reagiert Liguster (Ligustrum) ist deutlich toleranter gegenüber tiefen Schnitten. Er bildet zuverlässig neue Triebe aus schlafenden Augen, selbst wenn man bis auf das Grundgerüst zurückschneidet. Ein Rückschnitt auf 30 bis 50 Zentimeter über dem Boden ist bei überalterten Hecken möglich, sollte aber nicht jedes Jahr erfolgen. Wichtig ist der Zeitpunkt: Der starke Verjüngungsschnitt gehört in das zeitige Frühjahr vor dem Austrieb, nicht in den Hochsommer. Nach einem so tiefen Eingriff braucht die Pflanze eine vegetative Phase, um neue Blätter und Reservestoffe aufzubauen.
Wer unsicher ist, wie tief der Schnitt gehen darf, tastet sich am besten in zwei Etappen vor. Zuerst wird um ein Drittel eingekürzt, nach vier Wochen zeigt sich der Neuaustrieb. Reagiert die Pflanze kräftig, kann im nächsten Jahr stärker zurückgeschnitten werden. Diese vorsichtige Methode verhindert, dass eine Hecke durch einen einzigen radikalen Schnitt dauerhaft geschädigt wird.
Der Buchsbaum (Buxus) verträgt einen kräftigen Rückschnitt bis ins mehrjährige Holz erstaunlich gut, solange genügend Blattmasse und schlafende Augen erhalten bleiben. Ein Rückschnitt bis auf den nackten Stamm ohne grüne Triebe ist riskant: Zwar treibt Buchs gelegentlich aus schlafenden Knospen nach, doch dieser Austrieb ist schwach und unregelmäßig. Als Faustregel gilt, dass mindestens ein Drittel der vorhandenen Blattfläche stehen bleiben sollte. Ein radikaler Verjüngungsschnitt auf 20 bis 30 Zentimeter über dem Boden funktioniert nur bei gesunden, vitalen Pflanzen und in der Zeit von Mai bis Juni, wenn der zweite Austrieb folgt.
Wer das Bluten begrenzen will, schneidet möglichst früh im Winter, wenn die Rebe noch ruht. Zu diesem Zeitpunkt ist der Wurzeldruck niedrig, die Wunden können bis zum Frühjahr antrocknen. Ein später Schnitt im März oder April führt fast immer zu starkem Saftfluss. Auch das Reißen statt Schneiden vergrößert die Wundfläche. Saubere, scharfe Schnitte mit glatten Rändern reduzieren den Austritt. Ein Verschließen der Wunden mit Wachs oder Paste bringt wenig, weil der Druck von innen kommt. Besser ist es, die Rebe einfach bluten zu lassen.
Wo genau die Klinge ansetzt Die Schere wird direkt über dem Blattauge angesetzt, nicht über einem schlafenden Auge weiter unten und nicht über einem Blatt mit nur drei Fiederblättchen. Das Blattauge ist die Verdickung, aus der der nächste Trieb austreibt. Zeigt es nach außen, wächst die Rose in die Breite statt in die Mitte. Zeigt es nach innen, kreuzen sich die neuen Triebe und die Krone verfilzt. Deshalb: Außenauge bevorzugen, Innenauge meiden.
Der erste Schritt ist die richtige Stelle. Ein verblühter Blütenstand wird nicht an der Basis des gesamten Triebs abgeschnitten, sondern oberhalb des ersten voll ausgebildeten Blattes, das fünf Fiederblättchen trägt. Dieses Blatt sitzt meist 10 bis 20 Zentimeter unter der Blüte. Der Schnitt erfolgt etwa fünf Millimeter über diesem Blatt, und zwar in einem leichten Winkel zur Triebrichtung. Ein zu kurzer Stummel über dem Blatt fault leicht, ein zu langer trocknet ein und stirbt zurück.
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