Ein weiterer typischer Fehler ist die falsche Farbwahl. Zwei Töne mit sehr ähnlicher Helligkeit ergeben kaum sichtbare Adern. Ein starker Kontrast zwischen hell und dunkel arbeitet deutlicher, aber auch hier gilt: nicht mehr als zwei Töne verwenden. Ein dritter Ton bringt Unruhe, weil sich die Adern gegenseitig überlagern und die Oberfläche fleckig wirkt. Wer Transparenz möchte, arbeitet mit einem klaren Ton und einem pigmentierten Ton in derselben Basis.
Wer nach dem ersten Guss sofort aufhängt oder verpackt, produziert Kerzen mit sichtbaren Kratern, instabiler Oberfläche und manchmal einem Hohlraum direkt am Docht. Beim Abbrennen führt genau dieser Hohlraum zu Problemen: Die Flamme bekommt ungleichmäßig Wachs, der Docht beginnt zu rußen, und die Kerze brennt einseitig ab. Ein zweiter Guss ist deshalb kein Schönheitskorrekt, sondern die technische Voraussetzung für eine saubere Brenncharakteristik.
Wann der zweite Guss nötig ist und wie er vorbereitet wird Ein zweiter Guss ist immer dann nötig, wenn sich nach dem Abkühlen eine sichtbare Mulde von mehr als etwa einem Millimeter Tiefe gebildet hat. Prüfe die Oberfläche, indem du schräg gegen das Licht schaust: Einfallstellen erkennt man als ringförmige Schatten rund um den Docht. Fasse die Kerze erst an, wenn sie vollständig auf Raumtemperatur abgekühlt ist. Warmes Wachs verformt sich beim Nachgießen und hinterlässt schiefe Schichten.
Entscheidend ist die Reihenfolge und die Viskosität. Beide Farbtöne müssen eine ähnliche Konsistenz haben. Ein dünnflüssiger Ton läuft beim Eingießen sofort in den anderen und verwischt die Grenzen, während ein zu dicker Ton als zähe Klumpen stehen bleibt. Verdünnen lässt sich nur mit dem passenden Medium, nicht mit Wasser, sonst entstehen Schlieren und Wolken. Vor dem Gießen beide Chargen kurz aufschlagen, aber langsam, damit keine Luftblasen entstehen, die später als Löcher sichtbar werden.
Nach dem zweiten Guss muss die Kerze erneut vollständig durchkühlen, bevor sie aus der Form genommen wird. Je nach Wachsmischung und Formgröße dauert das mehrere Stunden. Wer zu früh entformt, reißt die frisch verschlossene Oberfläche wieder auf und schafft genau die Einfallstellen, die der zweite Guss beseitigen sollte. Erst wenn die Oberfläche gleichmäßig matt und ohne Ringe rund um den Docht ist, sitzt der Guss.
Als Erstes wird der Arbeitsplatz vorbereitet. Eine glatte, saubere Unterlage aus Kunststoff oder Glas eignet sich besser als Holz, weil Wachsreste dort leichter abgehen. Ein Geschirrtuch darunter schützt die Fläche. Daneben stellt man ein Gefäß mit lauwarmem Wasser bereit. Die Temperatur sollte deutlich unter der von heißem Leitungswasser liegen, etwa handwarm. Kochendes Wasser ist ungeeignet, denn es verformt die Kerze sofort und macht die Oberfläche matt und fleckig.
Zum Richten legt man die Kerze auf die vorbereitete Unterlage. Mit beiden Händen wird sie sanft in die entgegengesetzte Richtung gedrückt, bis sie gerade erscheint. Der Druck kommt aus den Handflächen, nicht aus den Fingern. Anschließend rollt man die Kerze mit leichtem Druck über die glatte Fläche, ähnlich wie einen Teig. Dieses Rollen verteilt die Spannung im Wachs gleichmäßig und verhindert, dass die Kerze kurz darauf wieder in die alte Form zurückspringt. Bei starken Knicken ist es sinnvoll, das Richten in zwei oder drei kleinen Schritten durchzuführen.
Ein häufiger Fehler ist das Nacharbeiten nach dem Eingießen in die Form. Sobald die Masse in der Form liegt, darf sie nicht mehr bewegt werden. Jedes Kippen, Rütteln oder Verteilen mit einem Werkzeug zerstört die marmorierte Struktur. Die Form vorher ausrichten, damit die Fließrichtung stimmt. Bei horizontalen Flächen verteilt sich die Marmorierung gleichmäßig, bei geneigten Flächen zieht sie sich in die Tiefe und hinterlässt oben nur eine dünne Schicht.
Ein Sturzbecher ohne Tülle ist ein Becher mit Griff, der normalerweise zum Trinken verwendet wird. Fehlt die Tülle, also der kleine Ausguss, bleibt die obere Öffnung gleichmäßig rund. Genau diese Form macht ihn zu einem brauchbaren Kerzenhalter, wenn kein echter zur Hand ist. Kerzen mit einem Durchmesser von etwa zwei Zentimetern passen in viele handelsübliche Becher. Größere Kerzen kippen leicht, kleinere schwimmen im Wachs. Vor dem ersten Gebrauch sollte der Becher sauber und trocken sein, denn Wachsreste oder Feuchtigkeit verhindern einen sicheren Stand.
Die Flamme sollte frei brennen können. Ein Becher mit hohem Rand schirmt den Wind ab, aber er kann auch die Luftzufuhr behindern. Brennt die Kerze rußig oder flackert stark, fehlt Sauerstoff. Dann den Becher etwas zur Seite rücken oder die Kerze höher setzen, indem Sie einen kleinen Metallring unterlegen. Bei Kerzen mit Duftstoffen setzt sich Ruß schneller am Rand ab. Reinigen Sie den Becher nach dem Erkalten mit warmem Wasser und einem Spritzer Spülmittel. Hartnäckige Wachsreste lassen sich mit einem Kunststoffschaber entfernen. Keine scharfen Messer verwenden, sie zerkratzen die Oberfläche.
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