For

Steiltriebe am Kernobst schneiden: Was passiert, wenn ihr sie stehen lasst

Was zuerst weicht und was stehen blei

Nach dem Schnitt braucht der Baum Wasser, falls der Sommer trocken ist, aber keine zusätzliche Düngung. Stickstoff im Juli würde das Ausreifen der Triebe verzögern und die Frosthärte senken. Wer diese Regeln beachtet, erhält einen Kirschbaum, der jährlich zuverlässig trägt, ohne dass die Krone von innen verkahlt. Der Schnitt nach der Ernte ist keine Frage der Bequemlichkeit, sondern der einzige Zeitpunkt, an dem die Kirsche die Wunden ohne bleibende Schäden übersteht.

Kronenbalance: Erst messen, dann feil

Konsequent heißt nicht radikal, sondern regelmäßig. Wer einmal im Jahr, am besten kurz nach der Blüte, die Krone durchgeht und alle senkrecht nach oben wachsenden Triebe an ihrer Ansatzstelle entfernt, hält das Gleichgewicht zwischen Wachstum und Fruchtansatz. Die Krone bleibt licht, die Früchte sitzen tiefer und sind besser belüftet, und die Blütenknospen bilden sich an den flacheren Trieben stärker aus. Wer diesen Schnitt dagegen mehrere Jahre unterlässt, braucht später mehrere Saisons, um die Krone wieder in Form zu bringen, und verliert in dieser Zeit einen großen Teil des Ertrags.

Die Stammverlängerung braucht jedes Jahr Aufmerksamkeit. Konkurrenztriebe, die steil nach oben schießen und dicker werden als der Leittrieb, werden entfernt oder auf flache Augen abgeleitet. Wer sie stehen lässt, verliert die Kontrolle über die Kronenhöhe. Auch der Winkel der Gerüstäste ist entscheidend. Zu steil angesetzte Äste wachsen stark und drängen den Leittrieb zurück. Zu flach angesetzte Äste brechen unter der Last der Früchte. Wer den Baum auf Augenhöhe betrachtet und die Abzweigungen mit der Hand nachvollzieht, erkennt solche Probleme früh, bevor sie sich festigen.

Wann schneiden und worauf achten Der beste Zeitpunkt für den Schnitt ist die Zeit von Ende Juni bis Ende August, also während des laufenden Triebwachstums. In dieser Phase reagiert der Baum milder: Die schlafenden Knospen unterhalb der Schnittstelle treiben weniger stark wieder aus als beim Schnitt im Winter. Schneidet man im Spätwinter, provoziert man an derselben Stelle mehrere neue Steiltriebe. Schneidet man im Sommer, bleibt der Baum ruhiger. Ein weiterer Vorteil: Die Wunde verheilt bis zum Winter, und die Gefahr von Frostrissen ist geringer.

Amboss-Scheren: stark bei Totem, schwach bei Lebendigem Amboss-Scheren entfalten ihre Stärke bei totem, trockenem Holz. Die Klinge trifft auf den Amboss und bricht die trockenen Fasern, statt sie zu schneiden. Das klingt brutal, ist aber bei hartem, abgestorbenem Holz oft die einzige Möglichkeit, überhaupt durchzukommen. Für Totholz, dürre Äste und Wurzeln ist die Amboss-Schere die robustere Wahl. Der Amboss verhindert zudem, dass die Klinge seitlich ausweicht. Ein häufiger Fehler: mit der Amboss-Schere lebendes Holz schneiden, weil sie schärfer erscheint. Das quetscht die Fasern und hinterlässt unregelmäßige Wunden, die schlecht verheilen.

Der Grund dafür liegt in der Saftverteilung. Ein Steiltrieb sitzt an der höchsten Stelle eines Astes und wird deshalb bevorzugt mit Nährstoffen versorgt. Er wächst schneller als alle flach stehenden Triebe, beschattet sie und verbraucht die Reserven, die sonst in Blütenknospen und Früchte fließen würden. Aus einer einzigen schlafenden Knospe kann in einer Saison ein Trieb von einem Meter Länge werden. Wird er nicht entfernt, entstehen an ihm wiederum neue Steiltriebe, und die Krone verlagert ihr Wachstum dauerhaft nach oben.

Steiltriebe wachsen fast senkrecht nach oben, direkt aus einer kräftigen Knospe an der Oberseite eines Astes oder aus dem Stamm. Sie sind leicht an ihrem steilen Winkel von meist 60 bis 90 Grad zur Waagerechten zu erkennen, an ihrem oft rötlichen oder stark behaarten Austrieb und an ihrem überdurchschnittlich kräftigen Längenwachstum. Wer sie stehen lässt, bekommt genau das Gegenteil von dem, was ein Obstbaum braucht: dichte Kronen, wenig Licht im Inneren und kaum Fruchtknospen.

Der Schnitt selbst ist einfach, aber unsauber ausgeführt schadet er. Den Steiltrieb nicht bündig am Stamm abreißen, sondern mit einer scharfen Schere direkt an der Ansatzstelle absetzen, ohne einen Stummel von mehr als einem Zentimeter stehen zu lassen. Ein Stummel stirbt ab, zieht Pilze an und treibt häufig erneut aus. Sitzt der Trieb an einem starken Ast und ist er bereits verholzt, den Schnitt in einem Zug setzen, statt zu sägen, solange der Durchmesser es zulässt. Bei einem Durchmesser über zwei Zentimeter ist eine Säge die sauberere Wahl, die Wunde bleibt aber offen und sollte nicht mit Baumwachs verschmiert werden; der Baum verschließt sie selbst.

Die praktische Entscheidung fällt also nicht nach Geschmack, sondern nach Material. Grünes, saftiges Holz: Bypass. Trockenes, totes Holz: Amboss. Wer beide Arten regelmäßig bearbeitet, kommt um zwei Scheren nicht herum. Ein Kompromiss ist selten sinnvoll, weil jede Bauart ihre Stärke nur im passenden Einsatz ausspielt. Wer nur eine Schere kauft, sollte sich für die Bypass-Variante entscheiden, denn sie deckt den Großteil der Arbeiten an lebenden Gehölzen ab.

  • ID: 443342

Reviews

There are no reviews yet.

Be the first to review “Steiltriebe am Kernobst schneiden: Was passiert, wenn ihr sie stehen lasst”

Your email address will not be published. Required fields are marked *