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Wer aus der Leiter zu weit greift, verliert die Kontrolle

Typische Fehler entstehen durch senkrechtes Schneiden oder durch zu starkes Zurückschneiden der unteren Zweige. Ein weiterer Fehler ist der Schnitt in praller Mittagssonne, der die Schnittstellen austrocknen lässt. Besser sind die frühen Morgenstunden oder ein bewölkter Tag. Auch ein zu tiefer Rückschnitt in einem Arbeitsgang schadet: Die Hecke treibt dann ungleichmäßig aus und die Trapezform geht verloren. Bei stark gewachsenen Hecken arbeitet man sich in mehreren Durchgängen von unten nach oben vor.

Nach dem Schnitt braucht der Baum Wasser, falls der Sommer trocken ist, aber keine zusätzliche Düngung. Stickstoff im Juli würde das Ausreifen der Triebe verzögern und die Frosthärte senken. Wer diese Regeln beachtet, erhält einen Kirschbaum, der jährlich zuverlässig trägt, ohne dass die Krone von innen verkahlt. Der Schnitt nach der Ernte ist keine Frage der Bequemlichkeit, sondern der einzige Zeitpunkt, an dem die Kirsche die Wunden ohne bleibende Schäden übersteht.

Wer im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr schneidet, kennt das Problem: Aus der Schnittfläche läuft Saft, und die Rinde franst aus, statt eine glatte Wunde zu bilden. Beides hängt unmittelbar zusammen. Eine unsaubere Schnittfläche mit gequetschten Zellen blutet stärker, weil die Leitungsbahnen nicht sauber durchtrennt, sondern zerfetzt werden. Die Wahl der Klinge entscheidet also nicht nur über das Aussehen der Rinde, sondern auch über die Menge des austretenden Safts.

Typische Fehler wiederholen sich: auf die oberste Sprosse steigen, sich mit einer Hand an einem Rohr oder Ast abstützen, während die andere schneidet, die Leiter auf weichem Untergrund ohne Unterlegplatte aufstellen, oder mit Werkzeug in der Hand auf- und absteigen. Jeder dieser Fehler lässt sich vermeiden, wenn vor dem ersten Schnitt zwei Dinge geklärt sind: Steht die Leiter fest, und liegt die Schnittstelle innerhalb der Reichweite, ohne dass der Körper die Holme verlässt? Wenn eine der beiden Antworten nein lautet, wird nicht geschnitten.

Statt zu strecken, wird die Leiter versetzt. Bei einer Anlegeleiter bedeutet das: absteigen, neu anlegen, wieder aufsteigen. Das kostet Zeit, aber weniger als ein Sturz. Bei Stehleitern lässt sich die Position oft durch Drehen der Leiter oder durch einen seitlichen Schritt auf dem Boden korrigieren. Ein zweiter Punkt: Schnitte niemals mit gestrecktem Arm über Kopf ausführen. Überkopfarbeit zwingt den Oberkörper nach hinten und den Blick nach oben, wodurch das Gleichgewichtsgefühl nachlässt. Besser ist es, die Schnittstelle auf Brust- oder Augenhöhe zu bringen.

Was ein Auge wirklich leistet Ein Auge ist eine Knospe, die im Sommer des Vorjahres angelegt wurde. Nur die kräftigen, gut ausgebildeten Augen treiben zuverlässig aus und bringen fruchtbare Gescheine. Kleine, zugespitzte oder beschädigte Augen am Triebgrund zählen zwar mit, bringen aber selten einen guten Fruchtansatz. Deshalb gilt: Zähle nicht die Gesamtzahl der Augen, sondern die Anzahl der brauchbaren Augen. Als brauchbar gilt ein Auge, das prall, rund und unbeschädigt ist. Wer nur nach Zentimetern oder Knoten zählt, ohne die Augen zu prüfen, schneidet an der Realität vorbei.

Eine Hecke in Trapezform zu schneiden ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Frage der Lichtverhältnisse. Der entscheidende Punkt: Die untere Partie muss breiter bleiben als die obere. Wer oben genauso breit oder gar breiter schneidet, nimmt den unteren Zweigen das Licht. Die Folge sind kahle, braune Stellen im unteren Drittel, die sich nur schwer wieder begrünen lassen. Ein trapezförmiger Schnitt stellt sicher, dass Tageslicht bis zum Boden durchdringt.

Der Körper bleibt innerhalb der Holme. Die Faustregel: Der Nabel darf die Holme nicht überschreiten. Steht die Leiter senkrecht, arbeitet man mit beiden Händen zwischen den Holmen, nicht seitlich daneben. Bei Stehleitern wird die oberste Sprosse oder Plattform nicht als Standfläche genutzt, wenn sie dafür nicht ausgelegt ist. Ein häufiger Fehler ist der Schritt auf die oberste Sprosse, um die letzten Zentimeter zu gewinnen. Genau dort ist die Standfläche am kleinsten und die Kontrolle am geringsten.

Arbeiten auf der Leiter scheitern selten am Werkzeug, sondern an der Reichweite. Wer sich mit ausgestrecktem Arm zur Seite lehnt, verlagert den Körperschwerpunkt aus dem sicheren Bereich. Die Leiter kippt oder rutscht, bevor die Hand das Ziel erreicht. Deshalb gehört vor jeden Schnitt eine simple Prüfung: Steht die Leiter so, dass die Arbeit ohne Strecken erreichbar ist? Wenn nicht, wird umgestellt, nicht gestreckt.

Der sichere Stand beginnt beim Aufstellen. Die Leiter steht auf festem, ebenem Untergrund, nicht auf losem Sand, Kies oder einer schrägen Einfahrt. Bei Stehleitern werden die Spreizsicherungen vollständig eingerastet, bei Anlegeleitern der Winkel so gewählt, dass das obere Ende etwa ein Viertel der Leiterlänge von der Wand entfernt ist. Ein zu flacher Winkel lässt die Leiter nach hinten wegrutschen, ein zu steiler Winkel kippt sie nach vorn. Beide Fehler zeigen sich erst, wenn man sich bewegt.

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