Wer die Stichlänge an die Stoffdicke und die Anzahl der Lagen anpasst, erhält haltbare Nähte ohne Wellen, ohne Fadenrisse und ohne aufplatzende Kanten. Die Faustregel lautet: dünn und einlagig kurz, mehrere dünne Lagen mittel, dicke Lagen lang. Wer diese drei Bereiche sauber trennt und Nadel sowie Faden mitdenkt, braucht keine komplizierten Tabellen.
Die Methode mit Vlieseline eignet sich für alle Stoffe, die nicht zu stark ausgefranst sind. Sie spart Zeit und Material und erhält die Passform. Kürzen sollte man nur, wenn die Franse zu tief sitzt oder der Stoff bereits zu dünn ist. Wer unsicher ist, kann zunächst an einer unauffälligen Stelle testen, wie sich die Vlieseline auf dem Stoff verhält. So lässt sich vermeiden, dass der Saum nach dem Aufbügeln steif wird oder sich ablöst.
Zuerst werden Außen- und Innenstoff zugeschnitten. Beide Teile erhalten die gleiche Größe, dazu kommen Nahtzugaben von etwa einem Zentimeter. Die Einlage wird auf die linke Seite des Außenstoffs gebügelt, bei Volumenvlies auf die linke Seite des Innenstoffs oder zwischen beide Lagen. Wichtig ist, die Einlage vor dem Nähen vollständig auskühlen zu lassen, sonst wellt sich der Stoff beim Zusammennähen.
Nach dem Zuschnitt sollte die Armlochhöhe noch einmal am zusammengesteckten Oberteil überprüft werden. Dafür das Rückenteil anziehen oder auf eine passende Büste stecken und die Achselnaht auf Spannung prüfen. Sitzt sie glatt an, ohne einzudrücken oder abzustehen, ist die Höhe richtig. Wer diesen Schritt konsequent durchführt, vermeidet die typischen Nacharbeiten und erhält einen Ärmel, der sich bewegt, ohne zu spannen.
Nach dem Stabilisieren kann der Saum wie gewohnt gesäumt werden – entweder per Hand mit unsichtbaren Stichen oder mit der Maschine. Wer möchte, kann zusätzlich ein Schrägband oder ein Einfassband verwenden, um die Kante zu verstärken. Das ist aber nicht zwingend nötig. Wichtig ist, dass der Saum nach dem Aufbügeln flach liegt und nicht wellt. Bei Wellenbildung hilft es, die Vlieseline nochmals leicht anzubügeln und dabei den Stoff zu dehnen. Zum Schluss den Saum noch einmal kurz dampfbügeln, damit er sich gut anpasst.
Ein häufiger Fehler ist, Klammern zu weit von der Nahtlinie zu setzen. Sie sollen knapp innerhalb der späteren Nahtzugabe sitzen, damit die Kante exakt ausgerichtet bleibt, aber nicht unter dem Nähfuß klemmen. Ebenso falsch ist, Klammern mit voller Kraft zu schließen: Bei empfindlichen Stoffen entstehen dann Druckstellen, die sich nicht mehr zurückbilden. Wer Klammern verwendet, sollte sie vor dem Nähen Zug um Zug entfernen und dabei die Lage mit der Hand fixieren, damit nichts verrutscht.
Stecknadeln halten punktuell und lassen sich millimetergenau platzieren. Genau das ist ihr Vorteil bei feinen, glatten oder empfindlichen Stoffen wie Seide, Chiffon oder feinem Jersey. Wichtig ist die Nadelqualität: dünne Nadeln mit feiner Spitze hinterlassen in dichten Geweben kaum sichtbare Einstichstellen, während dicke Nadeln Fasern auseinandersprengen und dauerhafte Löcher erzeugen. Bei beschichteten oder wasserdichten Stoffen sind Nadeln problematisch, weil jede Einstichstelle die Membran durchbricht und Undichtigkeiten hinterlässt.
Worauf beim Aufbügeln und Fixieren geachtet werden muss Nach dem Aufbügeln die Vlieseline vollständig abkühlen lassen, bevor der Saum weiterverarbeitet wird. In der Zwischenzeit kann man die ausgefransten Fäden mit einer feinen Schere knapp abschneiden. Wer zu viel abschneidet, riskiert, dass der Saum später ausreißt. Besser ist es, die Franse unter der Vlieseline zu belassen – sie wird durch die Klebeschicht fixiert und franst nicht weiter aus. Bei sehr leichten Stoffen empfiehlt sich eine dünnere Vlieseline, bei schweren Stoffen eine festere. Ein häufiger Fehler ist, die Vlieseline auf die rechte Stoffseite zu bügeln – das führt zu hässlichen Kleberesten auf der Sichtseite.
Wer Stofflagen fixiert, greift meist automatisch zu dem, was gerade in der Schublade liegt. Dabei entscheidet nicht die Gewohnheit, sondern die Webart, das Material und die Stelle, an der fixiert wird. Eine falsche Wahl hinterlässt Löcher, Quetschkanten oder verrutschte Kanten – Schäden, die erst beim Zusammennähen sichtbar werden. Deshalb lohnt es sich, vor dem ersten Stich kurz zu prüfen, welches Hilfsmittel zum Stoff passt.
Wer regelmäßig mit ausgefransten Säumen zu tun hat, sollte verschiedene Vlieseline-Stärken im Haus haben. Dünne Einlage für feine Stoffe, mittlere für robuste Baumwolle, keine für Strick. Nach dem Waschen die reparierte Stelle kontrollieren. Löst sich die Einlage, wurde zu kurz oder zu kühl gebügelt. In dem Fall noch einmal mit etwas mehr Druck und Zeit nacharbeiten. So bleibt der Saum dauerhaft stabil, ohne dass ein Zentimeter Stoff verloren geht.
Wo Klammern wirklich besser greifen Stoffklammern klemmen die Lage flächig und ohne Einstich. Das macht sie zur ersten Wahl bei Leder, Kunstleder, Wachstuch, beschichteten Outdoor-Stoffen und allen Materialien, in denen Löcher nicht mehr verschwinden. Auch bei mehrlagigen, dicken Projekten wie Taschen, Mänteln oder Quiltdecken halten sie die Schichten zuverlässiger als Nadeln, die bei hoher Dicke verbiegen oder ganz herausrutschen. Beim Nähen an der Nähmaschine dürfen Klammern jedoch nicht in den Transportbereich gelangen – die Nadel trifft sonst auf Metall oder Kunststoff und bricht.
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